Pflanze des Monats April 2017

Weitgereist – Wanderer in den Pflanzenwelten:

Camellia japonica ‚Pillnitzer Kamelie‘

(Seit 1801 im Schlosspark Dresden ausgepflanzt.)

Bereits seit vielen Jahrhunderten hat es Gärtner und Entdecker in die weite Welt hinausgezogen. Einer Legende nach brachte der schwedische Botaniker und Schüler von Linnè, Karl Peter Thunberg (1743 - 1828) vier Kamelienpflanzen (Camellia japonica) von seiner Japanreise (1775 - 1776) in die Königlichen Botanischen Gärten Kew bei London. Thunberg, der insgesamt ein Jahr und fünf Monate als Arzt an der holländischen Faktorei auf der Insel Dejima in Nagasaki tätig war, besuchte England 1779 auf seiner Rückreise nach Schweden. Neueste genetische Forschungen können diese Thunberg-Legende zwar nicht belegen, klären leider aber auch noch nicht die genaue Herkunft.  

Unter der Bezeichnung Kamelie werden 82 Arten immergrüner kleiner Bäume und Sträucher aus der Familie der Theaceae (Teegewächse) zusammengefasst, deren Herkunftsgebiete in Südost-und Ostasien liegen.  

Ein Exemplar der frühen botanischen „Reiseandenken“ verbleibt in Kew, die anderen drei Pflanzen sollen in die Gärten Herrenhausen bei Hannover, Schönbrunn bei Wien und Pillnitz bei Dresden weitergegeben worden sein. Man kann heute davon ausgehen, dass die ‚Pillnitzer Kamelie‘ zwischen 1780 und 1790 an den Dresdner Hof gelangte.  

Bereits 1801 pflanzte der Hofgärtner Terscheck sie im Schlosspark Dresden an dem Ort aus, an dem sie heute noch steht. Von Anfang an wurde sie im Winter abgedeckt, anfangs noch mit Stroh und Bastmatten, später mit Holzhäusern, die auf komplizierte Weise auf- und abgebaut sowie beheizt werden mussten. 1992 erhielt die ‚Pillnitzer Kamelie‘ ihr neues, erstmals fahrbares Schutzhaus. Dieses regelt Temperatur, Belüftung, Luftfeuchte sowie Beschattung und ist 13,2 Meter hoch und 54 Tonnen schwer. Von Mitte Oktober bis Mitte Mai verbringt die Kamelie dort bei einer Temperatur von 4 - 6° C die kalten Monate. In der warmen Jahreszeit wird das Haus neben die Kamelie gerollt, so dass die Pflanze frei im Park steht.  

Mittlerweile hat diese in Dresden - Pillnitz verbliebene über 230 Jahre alte Kamelie eine Höhe von 8,60 Meter, einen Durchmesser von fast 11 Meter und einen Umfang von über 33 Metern erreicht.  

Die Blütezeit fällt in die Monate Februar bis April. Die über zehntausend Blüten an der 'Pillnizer Kamelie' sind ungefüllt, karminrot und begeistern durch ihre immer wieder beindruckende Fülle jedes Jahr wieder viele Besucher. Zwei Etagenwege entlang des Überwinterungshauses führen die Besucher um die komplette Pflanze herum. Die ‚Pillnitzer Kamelie‘, deren ungefüllte Blüten in chinesischen und japanischen Gärten als ein Symbol für Freundschaft, Eleganz und Harmonie angesehen werden, zählt zu einer der ältesten Pflanzen aus der Gattung und Art Camellia japonica in Europa.