Pflanze des Monats August 2016

Vielseitiges Pioniergehölz mit landschaftsprägendem Charakter

Salix alba, Weiß-Weide, Silber-Weide

Vor allem in den Niederlanden sind Korbweiden landschaftsprägend. Charakteristisch an Bachläufen und in Überschwemmungsbereichen großer Flüsse und Bäche findet man häufig große, knorrig gewachsene Exemplare der Silber-Weide. Der Name nimmt auf die silbrig erscheinenden schmal lanzettlichen Laubblätter Bezug. Sie ist eine der wenigen baumförmigen Weiden und war Baum des Jahres 1999.

Das Wort Weide kommt aus dem indogermanischen Sprachgebrauch und bedeutet so viel wie biegsam, beweglich drehbar. Der Baum ist in Mitteleuropa weit verbreitet. Die Bestände sind auf regelmäßige Überflutungen angewiesen und tragen bei anderen Arten der Weichholzaue dazu bei, Hochwasserereignisse zu mildern und die Ufer zu stabilisieren. Mit ihrem breitflächigen Wurzelsystem kann die Weide die Erosion einschränken. Salix alba besiedelt auch als Pionierpflanze Sekundärstandorte wie Gräben, Ufer von Restgewässern oder ehemaligen Entnahmestellen von Sand, Kies, Ton und Lehm. Die Silber-Weide kann ebenfalls als Haldenbegrünung, zur Rekultivierung von Anbauflächen (Bodenverbesserung) oder als Windschutzgehölz eingesetzt werden.

Die Silber-Weide kann als Laubbaum eine Wuchshöhe bis zu 25 Metern erreichen, sie wächst nur ausnahmsweise strauchig. Recht früh erkannte der Mensch das hohe Ausschlagsvermögen der Weiden, so wurden hier zu Lande bevorzugt Silber- und Korbweiden als sog. „Kopfweiden“ gehalten, indem sie alljährlich bis zum Stamm zurückgeschnitten wurden. Die lang austreibenden Gerten dienten zu allerlei Flechtwerk, insbesondere zu Körben, oder fanden Verwendung bei diversen Bindearbeiten bis hin zu Schnürsenkeln der armen Leute.

Im Jugendstadium kann das Wachstum der Jahrestriebe bis zu 2 Meter betragen. Schon in der Steinzeit entdeckten Frauen die Heilwirkung der Weidenrinde ohne etwas über deren Inhaltsstoffe zu wissen. Als fiebersenkende und schmerzlindernde Arznei war die salicylhaltige Rinde in den alten Hochkulturen Indiens, Vorderasiens und Mesopotaniens bekannt. In späteren Zeiten wurde das Wissen über die heilenden Wirkungen der Weide vor allem von den Heilkundigen in Klöstern bewahrt und weitergetragen.

Diese Kopfbäume bieten wertvolle Nistgehölze für Höhlen- und Nischenbrüter. Der Biber baut seine Wohnburgen meist in der Nähe von Weiden und benutzt sie als Nahrungsquelle. Salix alba eignet sich für Parkanlagen, als Einzel- oder Gruppengehölz. Die Zweige bewurzeln sich bei Bodenkontakt sehr leicht und begründen ein sehr ausgeprägtes vegetatives Vermehrungsvermögen.