Pflanze des Monats Oktober 2016

Reine Formsache!

Moderner Sichtschutz im Garten - Spalierformen in allen Variationen...

Spalierbäume haben eine jahrhundertlange Tradition und wurden erstmals Ende des 16. Jahrhunderts in Frankreich kultiviert. Während sie in den letzten Jahrzehnten zunehmend in Vergessenheit geraten sind, gibt es derzeit ein regelrechtes „Revival“. Haus– und Gartenbesitzer werden heute zunehmend mit dem Problem der baulichen Enge konfrontiert. Die Grundstückspreise steigen, die Bebauung wird höher, Häuser rücken enger zusammen, die Gärten werden kleiner. Mit der Enge steigt das Bedürfnis nach Individualität und Geborgenheit. Das Problem der immerwährenden „Sichtbarkeit“ rückt immer weiter in den Fokus. Der Pflanzenliebhaber muss in solchen baulichen Situationen Abstriche machen. Breitwüchsige Bäume, die in „normalen“ Gärten für ein unvergleichliches Ambiente sorgen, haben einfach keinen Platz. Vertikale Formgehölze wie zum Beispiel flache Spalierformen bieten hier eine Alternative und erfüllen die Wünsche nach Grün und bieten gleichzeitig Sichtschutz. Damit können Gehölze mit all den Vorzügen freigewachsener Bäume wie Blüte, Fruchtschmuck oder Herbstfärbung auf engstem Raum etabliert werden.

Kastenförmig und gradlinig wirken die verschiedenen Spalierformen  wie eine Hecke auf Stamm. Im Garten dienen sie als moderne Raumteiler, etwa anstelle einer hohen Hecke, einer Mauer oder eines Zauns. Die ‚schwebenden Hecken‘ verleihen dem Garten mehr Tiefe und bilden wohnliche Elemente oder Rückzugsorte für die Seele. Im Winter bleibt der architektonische Habitus klar erkennbar und verbreitet einen ganz eigenen Charme. Klassiker unter den Spalierbäumen sind Linden, Weiß- und Rotbuche, Feldahorn sowie der Eisenholzbaum und der Amberbaum. Tilia x europaea ‚Pallida‘, die Kaiserlinde, in den Niederlanden unter dem Begriff „Leilinde“ bekannt, ist eine der am häufigsten verwendeten Baumarten. Vor allem auf Bauernhöfen verwendete man diese Art gerne,  in den meisten Fällen vor die Giebelwand gepflanzt, als Schutz vor Fliegen und Mücken im Haus. Das funktioniert, weil bestimmte Arten Kaiserlinden eine klebrige Flüssigkeit auf dem Blatt ausscheiden, worin die Insekten steckenbleiben. Kaiserlinden wurden auch als Sonnenschutz verwendet. Neben den Klassikern unter den Spalierformen werden heute zunehmend auch attraktive  Blütengehölze wie z. B. die Kupfer-Felsenbirne, Amelanchier lamarckii, die Kornelkirsche Cornus mas oder ansprechende Zierapfel – Sorten wie Malus ‚Evereste‘, ‚Red Jewel‘ und ‚Coccinella‘ als Spalierform angeboten.

Ebenfalls lassen sich Obstbäume sehr gut als Spalier ziehen und gehören vor allem in Frankreich aber auch in Deutschland zur gewachsenen Gartentradition. An sonnigen und windgeschützten Hauswänden, wie einer Süd- oder Westwand sorgen die Spalierformen für  zusätzliche Akzente. Historische Formen sind U- oder Doppel-U, Fächerform oder Solitär mit vertikaler Verzweigung. Die Triebe werden an einem Spaliergerüst befestigt und regelmäßig geschnitten. Die Früchte können beim Wachstum beobachtet werden und laden nach der Reifung zum Naschen oder sofortigen Verzehr ein.