Pflanze des Monats Oktober 2018

Kirche und Götterbaum …

Götterbaum – Ailanthus altissima

 

 

Bei schönster Frühherbstsonne präsentiert sich vor dem Hintergrund der Stifts- und Pfarrkirche Posen des Hl. Bischofs und Märtyrers Stanislaw in der Altstadt von Poznan ein mächtiger Götterbaum (Ailanthus altissima) mit farbenprächtigem Fruchtschmuck. Die Kollegiatkirche der Stadthauptpfarre gehört zu den wertvollsten, sakralen Barockbauten in Polen. Sie wurde von den Jesuiten erbaut. Die 1649 begonnenen und mehrmals unterbrochenen Bauarbeiten dauerten über 50 Jahre, die endgültige Gestalt des imposanten Bauwerkes stammt von etwa 1750. (Bild 1)

 

Ursprünglich ist der Götterbaum in China und im nördlichen Vietnam beheimatet. Die ersten Pflanzen gelangten 1740 durch den Jesuiten Pierre Nicolas d'Incarville nach Paris. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Art in anderen Teilen Asiens sowie in Europa, Amerika, später in Afrika und Australien angepflanzt, wo sie als invasive Art gilt. Sowohl die Verwendung als Zierpflanze auch der Versuch, den Baum wirtschaftlich zu nutzen, trugen zu seiner Verbreitung bei. Dies war u.a. ein Grund für die Einbringung dieses Baumes in Österreich: in Wien wurde versucht, mit Hilfe dieser Pflanze den Seidenspinner in Europa als Nutztier zu etablieren. Der Götterbaum begründete die Erstbepflanzung der Wiener Ringstraße (der letzte Götterbaum verschwand dort 2005). Auch in Berlin wurde er bereits um 1780 als Zierpflanze kultiviert. Mittlerweile ist er in allen Gebieten mit gemäßigtem oder Mittelmeerklima vertreten. Die Ausbreitung ist ursprünglich allein auf den Menschen zurückzuführen. Invasive Baumarten wie der Götterbaum spielen eine immer größere Rolle im Ökosystem. Diese Entwicklung birgt Risiken, aber auch Chancen. Ailanthus altissima ist eine Art aus der Gattung Ailanthus, die circa 9 bis 20 Arten umfasst und zur Familie der Simaroubaceae (Bitterholzgewächse) gehört.

 

Ailanto ist ein auf den Molukken gebräuchlicher Name und bedeutet Baum des Himmels (hoch genug, um den Himmel zu erreichen). Ailanthus altissima wurde von Philip Miller beschrieben und benannt, aber erst 1916 von Walter Tennyson Swingle in die heute gültige Systematik eingeordnet. Ailanthus hat in China als Futter für den Seidenspinner eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung. Als Pionierbaum erreicht er meist keine 100 Jahre, allerdings sind deutlich ältere Bäume bekannt. Der älteste Baum Deutschlands stand in einem Garten der Arminius-Apotheke in Bad Lippspringe in der Detmolder Straße 163. Der Baum erreichte mit einem Alter von etwa 150 Jahren einen stattlichen Stammumfang von 1,40 m sowie eine Höhe von 35 m.

 

Der Götterbaum gilt als schnellstwüchsiger Baum in Europa. Ailanthus wächst als großer, stattlicher, gelegentlich auch mehrstämmiger Baum mit breiter Krone. Die Kronen¬äste sind im Alter malerisch geschwungen und eschenähnlich. Das Blatt ist ungleichmäßig gefiedert, oft fehlt jedoch das Endblättchen, wodurch es paarig gefiedert ist. Die Blätter sind im Austrieb rötlich und erscheinen meistens erst im Mai. Der Laubfall im Herbst beginnt sehr spät. Eine Herbstfärbung der Blätter erfolgt nicht.

 

Ailanthus verträgt extreme Trockenperioden, ist besonders stadtklimafest und wärmeliebend, wird nicht vom Wild verbissen und ist salztolerant. Die Blüten werden gerne von Honigbienen anderen Insekten besucht. Der Honig des Götterbaumes hat ein sehr wohlschmeckendes, muskatellerartiges Aroma und gilt heute in Europa als Spezialität. Die Bäume sind fast immer zweihäusig. Sie besitzen sowohl männliche, weibliche, als auch zwittrige Blüten. Nach der Blüte entwickeln sich im August bis September beidseitig geflügelte und spiralig gedrehte Früchte mit zentralem Samen. Die Farbe der Früchte kann zwischen grün, braun und rot variieren. Schon 3–5 Jahre alte Bäume können blühen und Früchte produzieren.